Aberrationen

Numerische Aberrationen

Verlust oder Zugewinn eines oder mehrerer ganzer Chromosomen

Verlust eines Chromosoms = Monosomie
Zugewinn eines Chromosoms = Trisomie

· Verlust oder Zugewinn eines Autosoms

Fast alle autosomalen Monosomien versterben nach der Befruchtung (missed Abortion), ebenso wie autosomale Trisomien mit Ausnahme der Trisomien 13, 18 und 21.
Die bekannteste autosomale numerische Aberration stellt das Down-Syndrom (Trisomie 21) dar. Die Trisomien 13 (Pätau-Syndrom) und 18 (Edwards-Syndrom) überleben zumeist nur wenige Monate nach der Geburt.

· Verlust oder Zugewinn eines Heterosoms

45,X (Ullrich-Turner-Syndrom)
47,XXY (Klinefelter-Syndrom)

Extra-Chromosomen, die keinem der 23 Chromosomenpaare zugeordnet werden können, nennt man Marker-Chromosom. Der Einsatz der FISH-Technik kann eine Identifikation des zusätzlichen Chromosoms erbringen.

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Strukturelle Aberrationen

umfasst Veränderungen in der Struktur eines oder mehrerer Chromosomen

die häufigsten strukturellen Aberrationen sind:

· Deletion = Verlust von Genmaterial an einem einzelnen Chromosom

Eine Deletion kann jedes Chromosom betreffen und jede Grösse aufweisen. Welche Folgen eine Deletion hat, hängt von der Größe des fehlenden Stücks ab und welche Gene sich in diesem fehlenden Abschnitt befinden.

· Duplikation = Verdoppelung eines Chromosomenabschnitts

Eine Duplikation wird auch als "partielle Trisomie" bezeichnet, da der Träger nun über 3 Kopien der Gene im betreffenden Chromosomenabschnitt verfügt. Diese dadurch zusätzlich vorhandenen Gene führen zu angeborenen Defekten oder Entwicklungsstörungen.

· Inversion = innerhalb eines Chromosoms treten zwei Bruchstellen auf, das freiwerdende Segment rotiert um 180° (engl.: inverts) und verbindet sich wieder innerhalb der Bruchstellen mit dem Chromosom

Der Phänotyp dieser Störung ist meistens unauffällig, weil die gesamte Erbinformation weiterhin vorliegt. Wenn der vertauschte Bereich das Zentromer mit einschliesst, nennt man dies eine perizentrische Inversion, andernfalls als parazentrische Inversion.

· Insertion = Bruchstücke eines Chromosoms werden in einem anderen Chromosom wieder eingesetzt

Träger von Insertionen können phänotypisch unauffällig sein, weil keine Information verloren gegangen ist.

· Isochromosom = spiegelverkehrte Duplikation eines der beiden Chromosomenarme

Es entsteht ein neues (derivatives) Chromosom mit einem Zentromer und zwei gleichen Chromosomenarmen oberhalb sowie unterhalb des Zentromers, während der zweite Arm komplett fehlt.

· Ring Chromosom = Fusion der Chromosomenenden, sodass ein Ring entsteht

· Translokation = Austausch von Chromosomenmaterial zwischen zwei oder mehreren Chromosomen

Träger von balanzierten Translokationen (reziproker Austausch von Genmaterial, nichts geht verloren) sind in der Regel völlig unauffällig. Bei Weitergabe der betroffenen Chromosomen an die Nachkommen besteht allerdings die Gefahr, eine chromosomale Unbalance zu erzeugen.
Werden von dem Elternteile alle betroffenen Chromosomen weitergegeben, wird das Kind ebenso ein unauffälliger Träger sein, wird jedoch nur eines der betroffenen Chromosomen weitergegeben, entsteht eine Unbalance, welche zumeist zum Abortus führt. Dies ist einer der Gründe für unerfüllten Kinderwunsch.

Entsteht eine Translokation de novo (neue Mutation, nicht vererbt) und wird im Zuge der Pränataldiagnostik beim ungeborenen Kind gefunden, können nur bedingt Aussagen darüber gemacht werden, ob Genmaterial verlorengegangen ist oder nicht. Ein Restrisiko bleibt.

Einteilung

Numerische und strukturelle Aberrationen werden in zwei Kategorien unterteilt:

· konstitutionelle = angeboren
· erworbene - diese entstehen sekundär bei bestimmten Erkrankungen oder Tumoren

Manchmal werden bei einem Menschen zwei Zelllinien gefunden - eine normale und eine abnormale. Dies wird als Mosaik bezeichnet. Zumeist weist die abnormale Zelllinie eine numerische Veränderung auf. Der Grad der klinischen Auffälligkeiten hängt in so einem Fall von der prozentuellen Anzahl der abnormen Zelllinie ab.

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:: weiterführende Artikel

:: Basiswissen: Humangenetische Grundlagen ::

:: Quellenangabe

· ISCN 2013 - An International System for Human Cytogenetic Nomenclature

Autor: L. G. Shaffer, J. McGowan-Jordan, M. Schmid
Verlag: Karger
ISBN 3-8055-8019-3

Internetquellen:

:: Enstehung der abweichenden Chromosomenstruktur ::