Buchbesprechung: "Die Macht der Gene"

Markus Hengstschläger
Die Macht der Gene. Schön wie Monroe, schlau wie Einstein

Ecowin Verlag, Salzburg, Austria, 2006
176 Seiten, 150 mm x 215 mm, gebunden
ISBN 978-3-902404-35-0, EUR 19,95

Mit seinem Buch hat Markus Hengstschläger einen enormen Publikumserfolg erzielt; eigentlich sollte es Anlass zur Freude geben, wenn einem Autor eine breite Leserschichten ansprechende Darstellung unseres Faches gelingt.

Die Lektüre des Buches hat mich allerdings schnell eines Besseren belehrt: Meine Verwunderung über ein solches Sammelsurium von teils grotesken sachlichen Fehlern und unreflektierten Schlagworten wich ungläubigem Erstaunen darüber, dass es von dem durch ein internationales Berufsverfahren berufenen Universitätsprofessor für Medizinische Genetik und Leiter der Abteilung für Medizinische Genetik an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien (AKH) verfasst worden ist.

Einige Beispiele aus dem Buch:

Text (S.48): „Meine Familie ist von einer „vererbten“ Form einer Allergie geplagt – der Hausstauballergie. Mein Vater leidet an derselben Erkrankung! Auch meine Brüder haben diese Anlagen! (...) Der Beweis für meine Familie ist erbracht: Eine X-chromosomal vererbte Form der Hausstauballergie in unserer Familie also!“

Kommentar: Falsch. Es ist humangenetisches Anfängerwissen, dass beim X-chromosomalen Erbgang eine Übertragung der Anlage vom Vater auf den Sohn prinzipiell unmöglich ist, da Männer an ihre Söhne ihr Y-Chromosom und nicht ihr X-Chromosom weitergeben. Es handelt sich hier offenbar nicht um einen bloßen Lapsus des Autors, sondern um echte humangenetische Sachunkenntnis, da er auf S. 82 in anderem Zusammenhang nochmals dasselbe behauptet.

:: zum ganzen Artikel ::

Von Wolfram Henn
Medizinische Genetik, 4/2007